70er Dating - Ikeacaster
2. Warum ich eine Lanze für die „Ikeacaster“ genannten Naturalstrats breche !!!
Ich bin kein großer Fan der großen schwedischen Möbelmarke. Ich mag es nicht besonders Sessel und Regale zusammen zu schrauben. Warum es Leute gibt, die die „Natural“ lackierten Gitarren unserer Lieblingsmarke so nennen, ist mir unklar. Höchstwahrscheinlich war es aber so, dass der Gründer der schwedischen Möbelmarke, irgendwann in den frühen Siebzigern vom Anblick einer Naturalstrat so inspiriert wurde, dass er danach gleich mit der Konstruktion von Sesseln begann. Allerdings fand ich keine zuverlässige Quelle für diese Behauptung.
Spass bei Seite :-)
Als Fender beschloss die Stratocaster in der hübschen Naturaloptik zu produzieren, gab es sicher viele Gründe dafür.
Nicht umsonst gilt diese Nichtfarbe noch heute als eine der beliebtesten Ausführungen. In den Siebzigern jedenfalls waren Natural-Strats absolute Renner.
Eine meiner allerersten Vintagestrats war eine solche Natural.
Ich war begeistert von diesem Finish. Bewunderte damals das Können jener, die die 3, 4 oder sogar 5 Einzelteile eines Siebziger-Eschebodies so zusammenkleben konnten, dass das Ergebnis die Fans so begeisterte, wie die Fender-Leute aus der CBS Anzeige von 1979 :-)
Allem Anschein nach gefielen diese High Gloss lackierten Strats nicht nur mir. In den Siebzigern haben einige ihre lädierten Pre-CBS-Stratocaster Sundbursts abgeschliffen und nur noch etwas Klarlack oder Öl zur Schonung aufgebracht. Übrigens war die Farbe Natural - zumind. für Strats - im Katalog des Jahres 70, im Gegensatz zum 72er Katalog, nicht zu finden. Das älteste mir bekannte Exemplar stammt aus dem Jahr 1972. Aber ich lasse mich da gerne verbessern. Wer mehr weiss, kann sich gerne bei mir melden.
Die wesentlichen Erkennungsmerkmale:
3-Punktverschraubung
Meist roter Stempel „Natural“ in der vorderen Pickupausfräsung.
(bei den frühen Jahrgängen)
Naturalbodies waren demnach selektierte Exemplare.
An diesen Bodies sind die Bearbeitungsmethoden natürlich sehr gut zu erkennen. Während beispielsweise die Halstasche der frühen Bodies (ovale Pickupfräsung - bis ca 1976) noch über sauber ausgefräste Ecken verfügte, zeigen die Fräsungen an späteren Bodies (kleinere PU-Fräsung, dass man zunächst 2 kreisrunde Bohrungen/Fräsungen an den Ecken vornahm.
Dass diese Vorgehensweise der Stabilität kaum förderlich war, leuchtet wohl jedem ein.
Ein sehr gutes Erkennungsmerkmal, wenn es darum geht die Bodies aus den Siebzigern auseinander zu halten.
Wie bereits beschrieben unterscheiden sich auch die Pickup-Fräsungen der frühen und späteren Bodies
Links die Fräsungen der 1. (früheren) Variante. Rechts die spätere (nach1976) Ausführung. Bei diesem Body handelt es sich übrigens um eine Hardtailversion. Erkennbar an der runden Fräsung in der hinteren PU-Fräsung. diese Fräsung war aus produktionstechnischen Gründen nötig, da es keinen Tremolo-Tunnel gab. (Einführung mit der neuen Body-Variante)
An Hardtail-Strats vor der schmalen PU-Fräsung befindet sich diese runde Vertiefung nicht.
Wer jetzt glaubt, das waren schon alle Argumente, die für eine „Natural“ sprechen - der täuscht.
Im Herbst des Jahres 1964 verschwanden die berühmten Nailholes, die bis zu diesem Zeitpunkt für die Lackierung und andere Produktionsprozesse notwendig waren. Doch ganz ohne Löcher in den Bodies ging es danach auch nicht.
Wer genau hinsieht, der findet an Fender Stratocaster-Gitarren (bis Ende 76-Anfang 77) - Spuren von Holzdübeln, mit denen die Toolholes verschlossen wurden. Fender nutzte diese „Löcher“ sehr intensiv. Durch die Toolholes war es möglich, die Werkstücke stabil und sicher zu lagern und zu verarbeiten.
Befanden sich die Nailholes nicht immer an den gleichen Stellen, manche wurden mit der Zeit ganz weggelassen, sind die Toolholes, zumindest für längere Perioden, immer an den gleichen Orten zu finden.
Während der Ära der Nailholes war die Produktion wesentlich aufwändiger. Viele Arbeitsschritte waren von Hand durchzuführen (vermessen, einspannen, aussägen und ausfräsen der Bodies).
An den teilweise sehr fett lackierten Gitarren der Siebziger - man setzte ja schon seit Jahren Primer- und dann auch Decklacke auf Polybasis ein, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt wurde dann noch der Klarlack auf Nitrobasis aufgetragen - sind diese Toolholes nur sehr schwer zu finden. An einer farbig lackierten Gitarre fällt es manchmal sehr schwer, die richtigen Orte zu finden. Was für ein Vorteil, wenn man eine „Ikeacaster“ sein Eigen nennen darf :-)
An den Naturals sind die Punkte sehr leicht auszumachen.
Es gibt Leute, die die verschlossenen Toolholes als verschlossenes „Astloch“ ausgemacht haben sollen.
Man kann ja nicht alles wissen :-)
Damit man Toolholes nicht als verschlossenes Astloch ausmacht, sollte man natürlich wissen, wo sich diese wichtigen Löcher befunden haben.
1.Toolhole
Das erste Toolhole befindet sich auf der Rückseite - zwischen oberen Horn und Halsplatte.
2.Toolhole
Es befindet sich ebenfalls auf der Rückseite des Bodies - und zwar an der hinteren Rundung - unterhalb des Gurtpins gelegen.
3.Toolhole
Das 3. Toolhole befindet sich auf der Vorderseite.
Anfangs gut versteckt unter dem Pickguard - und zwar oberhalb der Halstasche - knapp versetzt neben der Bohrung für die erste Pickguard-Bohrung. Dieses Toolhole ist übrigens nicht an Hardtails zu finden. Sicher wurden Hardtailbodies auf anderen Maschinen als die Tremolovarianten bearbeitet.
Übrigens änderte sich die Lage dieses Loches im Laufe der Zeit. Uns sind Gitarren bekannt, an denen diese Toolholes nicht mehr unter, sondern neben dem PG sitzen.
4.Toolhole
Auch das vierte und letzte Toolhole befindet sich auf der Vorderseite des Body.
Es befindet sich wieder am hinteren Rand des Body - knapp unterhalb des Gurtpins gelegen.
Nicht an 70er Hardtails !
So, das war die Toolhole-Story.
Wer glaubt, das waren alle Details, die uns Fenders Natural-Strats offenbaren der täuscht. Es gibt noch ein paar sehr interessante Details, über die wir berichten könnten. Aber schauen wir mal, ob es überhaupt Interessenten für solch trockene Kost gibt. Wäre nett, wenn ich ein paar Rückmeldungen bekommen würde.
Wer meint, Fehler in meinen Ausführungen feststellen zu können, der möge mich doch bitte auch per Mail kontaktieren. Ich bin wie immer zu jedem konstruktiven Disput bereit und auch dankbar.
Falls ihr noch Ideen habt, oder Fragen zum Thema, dann meldet euch doch bitte im Forum an, oder schickt mir eine Mail.
Falls ihr Sachen wisst, die ich nicht weiss, dann bitte ich um eure konstruktive Mitarbeit.
In diesem Zusammenhang - viele Grüße und Dank an „Kalle“ Deutschmann, Gemeinsam nahmen wir das Toolhole-Projekt in Angriff. Karls Forschungsarbeit ging sogar so weit, dass er einen 66er Body in „fiesta red“ gänzlich von Farbe befreite, um die frühe Nutzung der Toolholes nachzuweisen ! Natürlich kann man so aus einer 66er Strat keine einwandfreie „Ikeacaster“ reproduzieren - aber der Versuch muss explizit gewürdigt werden.
Zu Kalles Verteidigung muss allerdings gesagt werden, dass der Body auf der Vorderseite doch tiefe und lange Zusatzroutings aufwies.
:-)
Grüsse
Norbert. und Kalle
Link
Hinweis:
die Verwendung von Texten, Textauszügen und Bildern aus dem Inhalt
dieser Seite ist ohne schriftliche Zustimmung nicht gestattet !
Der Autor ist den Betreibern dieser Homepage bekannt
Copyright © 2011 ns
Mit Einführung der Bodies mit schmaler PU-Fräsung (Ende 76 - Anfang 77) verschwanden auch die Toolholes.
Während der Zeit von Herbst 1964 (vorher Nailholes) bis zum Zeitpunkt der Einführung der schmäleren PU-Fräsung 76/77 sollten sich an jedem Body Toolholes finden lassen.
übrigens ! An Strats vor 64 befindet sich auch schon solche Toolholes und zwar auf der Rückseite - fast auf halber Strecke zwischen Halsplatte und oberen Horn. Das erste Bild rechts zeigt einen 59er Body.
Darunter ein 61er Body, der an gleicher Stelle eine Wölbung aufweist. Dieser Punkt ist auch an noch älteren Strats zu finden.
Aber jetzt weichen wir ein wenig vom Thema ab ! :-)
Wir werden in einem der nächsten Insiderberichte ganz sicher noch einmal auf dieses Thema eingehen.