63er Super Amp - brown Tolex

 

Jörg Medwed betreibt in Emmering seinen Amp- und Gitarrenservice. In seinem neuesten Bericht stellt uns unser Freund einen seiner Lieblingsamps vor und zwar so, wie es nur der Captain kann :-)



































22. November, Dealey Plaza in Downtown Dallas, Texas.

12:30 Uhr - President John F. Kennedy wird bei einer Parade in seinem offenen Lincoln erschossen.


Da war der braune Super Amp wohl schon auf der Reise nach Good Old Germany.


Leider kann nicht nachvollzogen werden in welchem Musikgeschäft er im Schaufenster stand, und auch nicht wann er tatsächlich verkauft wurde.

Fest steht dagegen, daß dieser Verstärker einen ungewöhnlichen Einsatzzweck hatte. Üblicherweise wurden diese Amps als Gitarrenverstärker von erfolgreichen deutschen Profimusikern eingesetzt. Erfolgreich hieß, man verdiente gutes Geld mit der Musik. Denn Fender Verstärker waren zu dieser Zeit richtig teuer. Ein Echolette Showstar kostete schon 950 Mark. Der Fender Super Amp sicher ein kleines Vermögen.


Unser Exemplar hatte ein anderes Schicksal und wurde zur Verstärkung eines Akkordeons eingesetzt. Und das auch nicht professionell auf den Bühnen der Republik, sondern immer zu Weihnachten. Den Rest des Jahres verbrachte er im Kleiderschrank. Daher sein unglaublich guter Zustand.


Bis auf eine Schramme im Wheat Grillcloth und eine Macke hinten im Tolex sieht er aus wie damals im Schaufenster.





Aber dieser Verstärker birgt noch ein paar Besonderheiten. Er muß einer der ersten Exportmodelle der Firma Fender gewesen sein. Im Inneren befindet sich ein Stecker mit dem man den Primärwicklungsabgriff des Netztrafos an die Netzspannung anpassen kann. Offensichtlich hatte Fender aber nur einen Export-Netztrafo im Programm und der hatte keine 5V Wicklung für die Gleichricherröhre. Deswegen hat dieser Super auf dem Board mit der Biasspannungserzeugung noch sechs Gleichrichterdioden.

Die GZ34 ist im Tubechart noch eingezeichnet, das Loch im chassis ist aber mit einer Abdeckplatte verschlossen.










Apropos Tubechart: Mit einer Schreibmaschine wurde der Zusatz EXPORT 117-230 VOLTS aufgebracht. Der Stempel MK weist das Baujahr als November 1963 aus. Genauso wie die Stempel im Chassis und im Gehäuse: 4563 datieren ihn auf die 45. Woche des Jahres.






























Auch sonst ist der Verstärker völlig unberührt, die Astron Minimite Elkos stammen aus der 39. Woche 1963, Die Oxford 10K5 aus der 43. Woche und

die Trafos wurden zwischen der 22. und der 40. Woche hergestellt. Sogar die Röhren sind noch die Ersten: 7025, 12AX7 und 5881, alle von RCA - und noch topfit!


























Und noch eine Besonderheit: obwohl der Verstärker in das 1963 eingeführte Smooth Tolex gekleidet ist weisen die beiden Backpanels noch das ältere Rough Tolex auf. Ende 1963 gabs auch schon die ersten Black Tolex Verstärker. Ob der gute Leo da noch alte Bestände hat aufbrauchen lassen? Denn weggeschmissen wurde bei Fender bekanntlich nie etwas!






















Und weiter gehts mit den Besonderheiten: während alle Amps aus der Zeit den braunen Dogbone Griff hatten ist an diesem hier schon der flache Griff montiert. Aber nicht in schwarz sondern in braun!





Und zu guter letzt hat er nicht mehr das flache Fender Logo sondern schon das Raised Logo aus der Blackface Aera.














Im Inneren ist aber alles wie gehabt, die Schaltung entspricht haargenau der  meines 62er Pro Amps.




Erwähnenswert ist noch das Vibrato dieser Zeit das drei der insgesamt sechs Vorstufenröhren benötigt. Diese sehr aufwändige Schaltung verschiebt hohe und tiefe Frequenzen separat in der Phasenlage und mischt sie dann wieder zusammen. Für mich das schönste Vibrato in der Fendergeschichte!






Am Ende bleibt der Konflikt: Soll man diesen fast fünfzig Jahre alten Verstärker in seinem Ursprungszustand belassen oder restaurieren?

Spielbar ist er eigentlich nicht, denn die Aufschrift DRY ELECTROLYTIC CAPACITOR der Elkos muß wörtlich genommen werden: aus einigen bröselt schon der Staub heraus.

Aber man merkt es ihm nicht an, es brummt nichts und die Bässe sind noch reichlich stramm.


Also wird er weiterhin dann und wann aus seiner Schutzhülle geholt und darf bei Zimmerlautstärke das Ohr erfreuen. Aber Weihnachtslieder muß er keine mehr spielen!



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