Auch in dieser Ausgabe zeigen wir eine tolle Strat aus der ersten Hälfte der Siebziger. Diese schwarze Strat ist wunderschön. Nur ein paar wenige Dings und Dongs schmücken ihren Body.
Auch in dieser Ausgabe zeigen wir eine tolle Strat aus der ersten Hälfte der Siebziger. Diese schwarze Strat ist wunderschön. Nur ein paar wenige Dings und Dongs schmücken ihren Body.
74er Fender Stratocaster, Hardtail, black
Grüße
Norbert + Burkhard
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Langsam aber sicher zeigt es sich deutlich. In diesem Jahr werden mir bislang deutlich mehr Gitarren aus den Siebzigern zum fotografieren angeboten als im letzten Jahr. Verblüffend ist übrigens auch, dass es viel mehr Hardtails als normale Tremolomodelle sind. Eine Tatsache, die mich immer weniger verwundert, klingen doch gerade diese Gitarren häufig bedeutend besser, als ihre gefederten Kollegen. Einziger Unterschied zur Strat des Vormonats - diese 74er Hardtail Stratocaster hat einen wunderschönen, kerzengeraden Maple-Hals, der einfach traumhaft gut in der der Hand liegt. Nicht zu dünn - aber auch nicht zu dick. Hinzu kommt eine phantastische Saitenlage, wie man sie nur selten antrifft. Das Schnarren der Saiten hält sich dennoch in Grenzen.
Testkanditat 1 spricht sauber an, klare sauber definierbare Töne. Der Akkord klingt sehr warm - wunderbares Sustain.
Weiter zur nächsten Gitarre. Beim Herausnehmen aus dem Ständer erkenne ich das Instrument leider sofort. Es mögen nur ein paar Gramm sein, die die beiden Kontrahenten unterscheidet, dennoch fällt die Identifizierung super leicht. Es ist allem Anschein nach wohl die Strat des Monats, die ich da in Händen halte. Kabel rein - gleicher Riff, gleiche Akkorde. Mir ist alles klar. Deshalb befrage ich Burky. Die Antwort hätte ich mir denken können; „it is what it is“. Dann meint er noch; „Wahnsinn !“. Doch er wird glücklicherweise noch etwas konkreter. Für ihn ist Testkanditat 2 der eindeutige Sieger. Der Akkord klingt und klingt und klingt. Ein unglaubliches Sustain. Auch der Klang der Gitarren unterscheidet sich deutlich. Das Klangvolumen ist um einiges voller, einfach viel runder und vielseitiger.
Ähnliche Unterschiede sind auch in einer leicht angezerrten Ampeinstellung zu erkennen. Auch hier hat Testkandidat 2 die Nase vor. Eine tolle Gitarre. Licht an ! Klarer Testsieger - und da sind wir uns beide einig - die 74er Hardtail.
Zurück in die Werkstatt.
Angeliefert wurde das gute Stück im original Fender Rechteckkoffer. Ein herrlicher Anblick, wenn man den rot ausgeschlagenen Koffer öffnet und diese schwarze Gitarre erblickt. Tolle Kontraste.
Aber machen wir erst mal am Hals weiter. Typisch für die Strats aus der CBS-Periode - große Halsplatte, geschwungener fett-schwarzer Fender Stratocaster Schriftzug. Darunter - in recht kleinen Buchstaben - die bekannte Patentnummer. Darüber die üblichen 2 Saitenniederhalter und die Fender-eigenen „F-Tuner“, mit der durch das Gehäuse geführten Welle.
In Richtung Nut ragt die berühmt-berüchtigte Bulletschraube aus dem Halsinneren.
Eigentlich eine super Idee, die CBS im Laufe des Jahres 1971 mit Einführung der Dreipunktverschraubung präsentierte. Doch leider vergessen viele Eigner solcher Stratocaster, dass der Imbus zum verstellen kein metrisches Maß besitzt.
Ganz schnell ist dann diese Aufnahme zerstört, wenn das falsche Werkzeug dazu genutzt wird.
An unserer Blacky befindet sich diese Schraube glücklicherweise in einem super Zustand.
Ein Blick über das phantastisch erhaltene Griffbrett zeigt black Dots mit dem typischen schmalen Dotspacing am 12. Bund. Natürlich sind auch die Sidedots in einem dezenten schwarz gehalten. Passt alles klasse zusammen und schaut unverschämt cool aus. Ein Blick auf den Halsfuss des demontierten Halses holt dann schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. 33. Woche 73. Gut gehalten - kann man da nur sagen. Sogar die originalen Bundstäbchen sind noch top - aber wie bei vielen Gitarren dieser Zeit super flach !
Weiter zum (mit drei Schrauben verbundenen) Body.
Wie bereits beschrieben, befindet sich der in einem sehr guten Zustand. Kratzer und Macken sieht man nur relativ wenige. Schließt man vom Zustand der Baugruppen auf deren Zusammenhörigkeit, dann ist das Ergebnis sonnenklar - passt. Im übrigen zeigen die Spaltmaße an der Halstasche, dass dies alles optimal abgestimmt ist. Nachbearbeitungsspuren gibt es nicht. Diese Gitarre gehört mit Sicherheit zu den leichtesten Stratocaster-Gitarren, die ich je in der Hand hatte. Bei knapp 2950 Gramm pendelt sich das Zünglein an der Waage ein. Ich hatte schon Strats in der Hand, die fast doppelt so schwer waren :-)
Bevor ich sie zerlege, möchte ich sie erst mal spielen und hören. Ich dunkle den Raum ab, stelle eine Neuere (1998 Maple-Board und ebenfalls sehr leicht) - und eben die 74er Hardtail vor mich hin. Also, fast die gleichen Testbedingungen, wie beim „großen“ Stradivari-Test. Licht aus ! Einzig das Lichtchen meines Deluxe kämpft gegen die Dunkelheit an. Ok, ich gebe es zu, auch die Pünktchen auf Burkhards (sitzt auf dem Stuhl gegenüber) Chronographen bringen minimales Licht ins Dunkel.
Vorsichtig taste ich mich an die Instrumente heran. Welche Gitarre ich nun in der Hand halte - hm - keine Ahnung. Nennen wir sie Nummer 1. Da beide Gitarren eine ähnliche Saitenlage besitzen, lassen sich darüber kaum Rückschlüsse bilden. Ich schließe sie an den Amp an und spiele ein paar Töne und einen Akkord.
Saiten runter - der Hals ist gleich abmontiert und die Originalschrauben des Pickguards schnell (natürlich per Hand) herausgedreht. Freier Blick auf das Elektrofach.
Die verbauten CTS-Potis stammen aus der 37. Woche des Jahres 73. Der sechsstellige Stempel auf den typischen grünlich-grauen Bobbins der Pickups verrät, dass sie in der 01. Woche 74 produziert wurden. Na, hätten die sich nicht etwas beeilen können :-)
Wie bereits beschrieben, entschädigen diese Pickups mit den sog. staggered polepieces wenigstens mit einem tollen ausgewogenen Klang !
3er Switch, Kabel, Kapazitator - natürlich auch original ! Gleiches gilt für alle verbauten Kunststoffteile dieser Stratocaster.
Keine auffälligen Lötpunkte. Auch das originale Tape um die PU-Kabel untermauert den Eindruck, dass hier niemand grobe Änderungen vornahm.
Auf der Stahlbridge der Hardtails sitzen die unter Pre-CBS-Fans etwas verpöhnten Saitenreiter aus Guss.
Diesen Hartgesottenen sei einmal empfohlen eine solche Hardtail anzutesten !! Sie werden ein kleines Wunder erleben. Ausserdem muss man unseren Freunden aus der - Pre-CBS-Abteilung sagen - nein, der Hals wackelt nicht :-) Wir haben uns ja schon des öfteren über die Unterschiede der Hals-/Halstaschenkonstruktion ausgelassen. Zum Beispiel im Bericht über die 72er sundburst Strat.
Ach ja - Serial: 557 XXX
Unser Fazit:
Es wird zunehmend deutlicher. Die frühen Siebziger-Strats sind größtenteils super Gitarren. Insbesondere die Hardtails begeisterten bislang in allen Belangen.
Noch Mal: „Viel Strat fürs Geld !“