Auch John Lennon hatte eine dieser sagenumwobenen 61er Strats. Die Farbe ist mir leider nicht bekannt. Aber ich weiss, dass er damit Nowhereman einspielte.

 

61er Fender Stratocaster - sunburst

Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Im Allgemeinen und überhaupt gilt die 61er als das Rockbrett schlechthin. Wer jemals Gallaghers Gitarrenspiel lauschte, der weiss wovon ich hier schreibe. Durchsetzungsstark, sehr mittenbetont, aber trotzdem differenziert.  Der Klang einundsechziger Strats gilt nicht zu unrecht als sehr warm - und der Besitzer unserer Strat des Monats fügt explizit hinzu, „mit viel Bauch“ :-), womit er natürlich voll ins Schwarze trifft.

Dass diese 1961 Fender Strats mehr können wissen wir nun. Nicht umsonst sind Gitarren dieses Jahrgangs so begehrt. Jeder Gitarrist, der etwas auf sich hält, hat sie auf seinem Wunschzettel. Leider reichen die weltweiten Bestände nicht aus, jedem 61er Fan glücklich zu machen. Um so weniger verwundert, dass diese Strats preislich eher am oberen Ende angesiedelt sind. Im wesentlichen dominieren Stratocaster in Fenders Brot- und Butterfarbe „sunburst“ - Customcolors sind sehr selten. Erst 1961 begann Fender entsprechende Colorcharts an seine großen Händler zu verschicken. Kein Wunder, dass eine Fender Stratocaster aus dem Jahre 1961, in einer der ersten offiziellen Customcolors, Preise erzielt, für die man auch ein schönes deutsches Edelcabrio bekommen könnte. Naja, wir wollen ja Musik machen und nicht mit offenen Dach durch den Regen fahren. :-)

Doch nun zu unserer Strat des Monats.


Es ist schon ein Augenschmaus diese Gitarre genauer zu betrachten und zu untersuchen. Die hier gezeigte Gitarre befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand. Leuchtende Farben, insbesondere das leuchtende Rot der Sunburstlackierung gelten als eines der Erkennungszeichen dieser Gitarren. Aber fangen wir von vorne an. 1959 begann Fender Hälse mit Palisanderboards zu produzieren. Genauer gesagt wurden die Boards aus Rio-Palisander produziert. Diese Holzsorte gilt als ausgezeichnetes Tonholz. Leider ist die Mär vom fast schwarzen Griffbrett aus Palisander sehr verbreitet. In Wirklichkeit gab es sehr dunkle aber auch relativ helle, rötlich- braune Griffbretter. Übrigens, die eingearbeiteten Clay Dots weisen am 12. Bund einen deutlich größeren Abstand auf.

Der Hals der 61er Stratocaster ist in der für diese Zeit üblichen „Slabboard-Bauweise“ konstruiert. Dabei wurde auf der ebenen Oberfläche des Ahornunterteiles das Rio-Board aufgeleimt.

Diese Konstruktion war in vielen Fällen nicht unproblematisch. Ahorn und Palisander reagieren nun mal völlig unterschiedlich auf Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschieden. Deshalb wurde gegen Ende des Jahres 62 das wesentlich dünnere sog. „Curved Board“ eingeführt.

Der Halsfuß offenbart ein handgeschriebenes Datum: Nov. 61.

Auf der schmalen Kopfplatte befindet sich das filigrane Spaghetti-Logo mit den beiden Patentnummern „ 2.573.254 und 2.741.146“. 6 verchromte „Single-Line-Tuner“ sind für die gute Stimmung verantwortlich. Der Hals liegt mit seinem D-Profil super in der Hand. Die Gitarre ist wunderbar bespielbar.


Tonabnehmer mit „Blackbobbins“, Potis und Schalter sind unter dem originalen „Greenguard“ untergebracht.

Typisch, die Pickguardschraube zwischen dem ersten (Neck) und zweiten Pickup befindet sich noch fast mittig über den Pickups. Im Frühjahr des Jahres 63 wanderte diese Schraube weiter nach hinten, in die Nähe des mittleren Pickups.

Die Stackpole Potis stammen aus der 4. Woche des Jahres 1961.

Bei der Messung der Pickups ermittelten wir folgende Werte: Neck - 5,81, Middle 5,6, Bridge 6,0.

Die Lötstellen befinden sich in einem unangetasteten Zustand. Im Bereich Insider - Pickups haben wir in dieser Ausgabe weitere 61er Pickups untersucht. Die dort ermittelten Werte zeigen, dass größere Differenzen durchaus möglich sind. Von zuverlässigen Informanten wissen wir, dass die Zählwerke der Wickelmaschinen schon damals keine verbindlichen Daten mehr lieferten. :-)


Mit einem Gewicht von nur 3260 gr darf diese Gitarre als durchaus rückenfreundlich bezeichnet werden.


Die Gitarre wurde ursprünglich in Kanada von einem Tanzmusiker, der sie viel spielte gekauft. Der gute Mann hütete die Gitarre wie seinen Augapfel und so kam es, dass diese Strat in einem erstklassigen Zustand verblieb. Über Umwege kam die Gitarre in die Hände des jetzigen Eigners. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir auch endlich einmal an einen blau ausgeschlagenen Koffer  erfreuen dürfen. Im Koffer befinden sich die sehr seltenen Hangtags, Tremolohebel und Gurt.


Es gibt Gitarren, die gibt man nur sehr ungern wieder aus der Hand. Diese 61er Stratocaster darf ungestraft dazu addiert werden, denn auch klanglich lässt sie keine Wünsche offen.


Was ? Wie alt soll diese Gitarre sein ?

50 Jahre ? Nicht zu fassen.



„Whats going on !“






Links:


http://www.rorygallagher.com/#    1961    Katalog 1961   

Pickguards    61er Koffer brown    61er Case brown Tolex   

Insider Dots    Insider Poti-Codes    Tunerkunde Klusons 1954 bis 1967

PU 61




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